22. Dezember: „einen Zahn zulegen“ (ab morgen ist damit Schluss!)

Einen Zahn zulegen (auch: einen Zahn drauflegen, einen Zacken zulegen) ist eine Redewendung der deutschen Umgangssprache und bedeutet „die Geschwindigkeit steigern“.

Die Redewendung ist verwandt mit einen (großen, irren, tollen, ganz schönen) Zahn/Zacken draufhaben („sich mit sehr großer Geschwindigkeit fortbewegen“) und mit Komposita des Typs Mordszahn, Affenzahn („sehr große Geschwindigkeit“) und hat auch die verkürzten Formen zulegen, drauflegen („die Fahr- oder Marschgeschwindigkeit steigern, den Trab beschleunigen“) hervorgebracht.

In den einschlägigen Wörterbüchern wird der Zahn oder Zacken dieser Redewendungen als Zahn am Zahnkranz des Handgashebels eines Kraftfahrzeugs, vereinzelt auch als Zahn an der gezähnten Stange des Handgashebels älterer Jagdflugzeuge gedeutet.

Erstbelege sind in den Wörterbüchern nicht ausgewiesen, doch werden als Entstehungszeit für drauflegen („die Geschwindigkeit steigern“) als aus einen Zahn drauflegen entstandene Kurzform bereits die 1920er- und für Mordszahn („sehr hohe Fahrgeschwindigkeit“) bereits die 1930er-Jahre angegeben. Bei der Herleitung aus der Handgasstange älterer Jagdflugzeuge wird die Entstehungszeit auch schon im Ersten Weltkrieg angenommen. Literarisch greifbar werden sie seit den 1940er-Jahren, insbesondere mit Bezug auf Kraftfahrzeuge und Militärflugzeuge.

Populärwissenschaftliche Erklärungen sehen die Herkunft bereits im Mittelalter und leiten sie aus der mit Krallen versehenen Stange eines Kesselhakens ab, eines sogenannten Kräuels, an dem das Tieferhängen des Kessels um eine Kralle (einen Zahn oder Zacken) nach unten die Kochhitze und hierdurch mittelbar auch die Kochgeschwindigkeit erhöht. Möglicherweise existieren tatsächlich ältere Wurzeln der Redewendung: Seit dem 19. Jahrhundert belegt ist der Volksglaube, das Kommen eines Gastes kündige sich an, wenn der Kesselhaken von selbst um einen Zahn herunterfalle.

https://de.wikipedia.org/wiki/Einen_Zahn_zulegen