19. Dezember: „mit offenem Visier kämpfen“

Die Redewendung bezieht sich auf das Visier als Teil des mittelalterlichen Ritterhelmes, ist jedoch später entstanden. Von lat. videre (sehen) leiten sich romanische Begriffe ab (etwa franz. visière), die früh in der Form „Visier“ in die deutsche Turnier- und Rittersprache entlehnt werden und die eiserne Gesichtsmaske des Kämpfers bezeichnen. Noch heute ist das Visier der das Gesicht bedeckende Teil des Helms (kann aber auch die Zielvorrichtung von Handfeuerwaffen bezeichnen, was sich ebenfalls redensartlich niedergeschlagen hat, „ins Visier geraten“). Das geschlossene Visier ist das Sinnbild des Sich-Verbergens, entweder aus Angst oder aber, weil man sich erst später zu erkennen geben will. Die Verwendung in übertragenen Sinn ist erst seit 1796 schriftlich belegt: „Wir, meine Freunde, (…) wollen (…) von unsern Freunden und Feinden und von jedem lernen, der Gründe gibt und mit offnem Visier redet“ (Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität, 8/105).

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