Etymologischer Adventskalender 2016

24. Dezember: „Hans Dampf in allen Gassen“

Als Hansdampf in allen Gassen wird umgangssprachlich ein aktiver, vielseitiger und umtriebiger Mensch bezeichnet, ein Tausendsassa bzw. ein Generalist. Im Bairischen wie hochsprachlich bei Beschreibungen Bayerns oder Münchens wird etwas differenzierter der Gschaftlhuber als umtriebiger Manager oder Vereinsmeier und der Adabei für omnipräsente Demimonde, B-Prominenz und Dauergäste bei gesellschaftlichen Veranstaltungen verwendet. Mehr

23. Dezember: „vom Leder ziehen“

Leder meint in dieser Redewendung die Schwertscheide. Wer vom Leder zog, also die blanke Waffe in der Hand hielt, der machte ernst und war bereit zum Losschlagen. Mehr

22. Dezember: „Wolkenkuckucksheim“

Wer in Wolkenkuckucksheim lebt, lebt in einer Fantasiewelt. Der Begriff stammt aus der satirischen Komödie „Die Vögel” von Aristophanes, die 414 vor Chr. in Athen uraufgeführt wurde, und bezeichnet eine Fantasiestadt, die sich die Vögel bauen wollten, um mit ihrer Hilfe die Macht über Menschen und Götter und den Stadtstaat Athen zu übernehmen. Mehr

21. Dezember: „vierschrötig“

Das Wort „vierschrötig“ ist eine Übertragung, die aus dem Umfeld des Berufs des Schröters stammt. Der Schröter – Schröder – oder speziell der Weinschröter – war ein Beruf, der mit dem Verbringen und Verladen von Fässern beschäftigt war, eine gefährliche, kraftzehrende Arbeit, bedenkt man, welche Kräfte dabei zu überwinden und zu mobilisieren waren. Mehr

20. Dezember: „Runkunkel“

Das Märchen von den sieben Schwaben verwendet den Ausdruck Runkunkel um ein altes, keifendes Weib zu beschreiben. Kunkel war der altdeutsche Ausdruck für den Rocken beim Spinnrad. Mehr

19. Dezember: „mein lieber (alter) Freund und Kupferstecher“

Aus den Gravuren der Goldschmiede entwickelte sich der Kupferstich als eines der frühesten grafischen Verfahren der Neuzeit. Der erste belegte Kupferstich datiert von 1445. Mit der Verbreitung des Buchdrucks erlebte der Kupferstich als illustratives Element einen Aufschwung. Mehr

18. Dezember: „Thusnelda“

Thusnelda, war die Gattin des Cheruskerfürsten Arminius. Sie geriet in römische Gefangenschaft, welche sie ungebrochen und heldenmütig ertrug – so beschreibt sie der römische Geschichtschreiber Tacitus. Mehr

17. Dezember: „Bagage“

Spätestens seit dem 30jährigen Krieg ist dieses französische Wort für Gepäck im Deutschen gebräuchlich. Während dieses langwährenden Krieges folgten oft Hunderte von Menschen den kriegsführenden Soldaten. Mehr

16. Dezember: „auf den Kopf hauen“

Als sich im 16. bis 19. Jahrhundert die territoriale und staatliche Zersplitterung der deutschen Länder auf dem Höhepunkt befand, wurden oftmals eigene Münzen geprägt. Nicht nur die mächtigen Fürstentümer wie Sachsen oder Bayern hatten das Recht von den immer schwächer werdenden Kaisern verliehen bekommen, sondern auch weit unbedeutendere Fürsten, Städte und geistliche Würdenträger erstritten das Recht oder nahmen es sich einfach. Mehr

15. Dezember: „auf den Putz hauen“

Der Ausdruck „Putz“ leitet sich vom heute nicht mehr gebräuchlichen Verb „butzen“ ab. Ursprünglich bedeutete das so viel wie „sich das Schmutzklümpchen z. B. in der Nase entfernen“. Mehr

14. Dezember: „für nen Appel und nen Ei“

Gerne werden diese beide Bauernhoferzeugnisse in einem Atemzug genannt, wenn es darum geht, dass etwas sehr günstig zu haben ist. Bekommt man etwas „für nen Appel und ’n Ei“ muss man nicht viel dafür zahlen und sollte zugreifen. Mehr

13. Dezember: „die Nase voll haben“

Einen verschnupften und deswegen schlecht gelaunten Menschen können wir uns leicht vorstellen – der Ausdruck „Die Nase voll haben“ kommt aber wohl nicht daher. Wer die Nase voll hat, steckt in einer bedenklichen Situation, aus der er gerne herauskommen möchte – wie einst auch jene Gefängnisinsassen, die vielleicht zur Strafverschärfung noch die Nase voll(gehauen) bekamen, was dann in die Gaunersprache überging. Mehr

12. Dezember: „es zieht wie Hechtsuppe“

Am häufigsten wird die Meinung vertreten (u.a. durch den „Duden“), dass es sich dabei um die Eindeutschung einer jiddischen Wendung (hech soppa oder supha – wie ein Sturm) handelt. Obwohl inhaltlich in dem Sinne stimmig, dass ja auch ein Sturm mit starken Winden zu tun hat, ist diese Lesart nicht unangefochten, weil eine solche jiddische Wendung von den Sprachwissenschaftlern nur schwer bis gar nicht nachgewiesen werden kann. Mehr

11. Dezember: „Plemplem sein“

Vielleicht hängt er mit oberdeutsch ›Plempel‹; mitteldeutsch ›Plempe‹ zusammen. Der Plempel bezeichnet ein hin- und herschwappendes, schlechtes, schales Getränk. Mehr

10. Dezember: „jdn über den Tisch ziehen“

Die erst im 20. Jahrhundert entstandene Redewendung stammt aus der in Bayern praktizierten Sportart Fingerhakeln. Dabei gilt es, den am Tisch gegenüber sitzenden Gegner mit dem Mittelfinger zu sich herüberzuziehen. Mehr

9. Dezember: „hänseln“

Das Hänseln war ursprünglich ein Initiationsritus und leitet sich von „in die Hanse-Gemeinschaft aufnehmen“ ab. Nach der Auflösung der Hanse bedeutete es umgangssprachlich bis heute, jemanden aufzuziehen oder zu verspotten. Mehr

8. Dezember: „Blaustrumpf“

Blaustrumpf war gegen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert ein Schimpf- und Spottname für Frauen, die nach Emanzipation strebten, damit dem zeitgenössischen Frauenbild widersprachen und als „unweiblich“ galten. Intellektuell gebildete Frauen wurden als Blaustrümpfe karikiert. Mehr

7. Dezember: „auf Kriegsfuß stehen“

Kriegsfuß, auch Kriegszustand oder mobiler Zustand einer Armee ist eine veraltete Bezeichnung für den Zustand, in dem das Heer nach der Mobilmachung zur Eröffnung des Krieges bereit ist. Die Friedensstärke wurde Friedensfuß genannt. Mehr

6. Dezember: „Treppenwitz“

Ein Treppenwitz ist – im ursprünglichen Sinne von Witz – ein geistreicher Gedanke, der jemandem einen Moment zu spät („beim Hinausgehen auf der Treppe“) einfällt und der in der aktuellen Runde oder Diskussion nicht mehr vorgebracht werden kann. Mehr

5. Dezember: „etwas türken“

Das Verb „türken“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für vortäuschen, fälschen, der oft als diskriminierend empfunden wird. Ein zeitgenössisches Wort mit ähnlicher, aber nicht identischer Bedeutung, ist „faken“. Mehr

4. Dezember: „sich etwas hinter die Löffel schreiben“

Löffel = umgangssprachlich Ohren; Als Symbole der Denkkraft und der Erinnerung sitzen in der nordischen Sage dem höchsten Gott Odin (Wotan) die beiden Raben Hugin und Munin auf der Schulter. Das Ohr und nicht etwa das Auge ist in dieser Tradition also die (metaphorische) Wahrnehmungsinstanz zur Bildung von Gedächtnisinhalten. Mehr

3. Dezember: „Aus dem Schneider sein“

Die Redensart „Aus dem Schneider sein“ bedeutet ursprünglich, „über dreißig Jahre alt sein“ im Sinn von „nicht mehr ganz jung sein“, aber auch „von finanziellen oder anderen Sorgen und Schwierigkeiten befreit sein.“ Die Redensart ist von Kartenspielen hergeleitet, zum Beispiel Schafkopf und Skat, wo diejenigen „Schneider werden“, die 30 oder weniger als dreißig Augen (Punkte), das heißt, weniger als die Hälfte der zum Gewinn nötigen Summe erreichen. (Umgekehrt ist man mit mehr als 30 „Schneider frei“.) Mehr

2. Dezember: „die Katze aus dem Sack lassen“

Die Redewendung liegt im Zusammenhang mit dem Sprichwort „die Katze im Sack kaufen“, als auf mittelalterlichen Jahrmärkten betrügerische Händler versuchten, Katzen in einem Sack versteckt als Ferkel oder Kaninchen zu verkaufen. Wird dagegen „die Katze aus dem Sack“ gelassen, ist der Betrugsversuch entlarvt und das Geheimnis gelüftet. Mehr

1. Dezember: „Wie am Schnürchen“

Die Schnur ist eine heute vergessene Gedächtnismetapher, weil sie dazu dient, eine Reihe von Gegenständen (Perlenschnur, Rosenkranz usw.) in fester Reihenfolge zu bewahren. „Am Schnürchen haben“ war eine ältere Redensart für „im Gedächtnis haben“ und „wie am Schnürchen“ bedeutet daher: leicht zu handhaben, da geordnet. Mehr